Mikhael Mitri – wie ich Jesus gefunden habe

Ich wurde 1977 im Libanon geboren und seit 16 Jahre lebe ich in Deutschland. Inzwischen bin ich eingedeutscht und ich bin ein stolzer Deutch-Libanese. Ich bin seit 7 Jahren verheiratet und habe zwei wunderbare Mädchen.

Ich komme aus einer orthodoxen Familie. Meine Kindheit war nicht einfach. Weil meine Eltern große Probleme miteinander hatten, musste ich drei Jahre in ein christliches Internat zur Schule gehen. Die Nonnen dort haben mir ihren christlichen Glauben vorgelebt mit Gebet vor dem Essen, Morgengebet, Abendgebet und mit Gottesdiensten.

Ich war sehr jung, etwa 7 oder 8 Jahre, aber ich habe eine grundlegende Sache gelernt „Wenn du Probleme hast, dann komm zu Jesus“. 

Dies hat sich ausgezahlt. Als Jugendlicher hatte ich öfter Probleme und wusste keine Lösung. Ich wollte zum Beispiel studieren, aber ich hatte keine 8000 $ im Jahr! Also, was habe ich gemacht? Ich ging zu Jesus! Es hat immer funktioniert, aber es war nie einfach. Hier hat Jesus mich das erste Mal berührt. Ich bin immer zu Kirche gegangen, wenn ich etwas gebraucht habe. Irgendwann habe ich zu mir selbst gesagt: „Du solltest doch einmal kommen, um ihm zu danken und nicht nur um zu bitten!“ 

Leider habe ich das nie gemacht und bei dem nächsten Problem hatte ich ein ganz schlechtes Gewissen!

 

Ich bin zu Kirche gegangen, um wieder zu bitten und dabei habe ich mich schrecklich gefühlt! Es war überraschenderweise gerade Gottesdienst und der Pfarrer fing an zu Predigen. Mitten in seiner Predigt sprach er einen Satz, der gar nichts mit seiner Predigt zu tun hatte: „Kommt und bittet, kommt immer und bittet, auch wenn ihr zu Kirche kommt, nur um zu bitten, kommt und bittet und fühlt Euch nicht schlecht deswegen “! Das war das erste Mal, wo Gott mein Herz direkt berührt hat. Dies hat mich näher zu Gott gebracht, aber die Beziehung mit ihm war wechselhaft und nie intensiv.

2003 kam ich nach Deutschland. Der Anfang war sehr schwierig für mich. Ich konnte kein Deutsch, die Freunde, die mir helfen sollten, waren nicht so gut, und nach 5 Monaten hatte ich kein Geld mehr. Wie immer, je größer meine Probleme waren, umso mehr habe ich gebetet. An einem Freitagabend saß ich am Innenhafen in Duisburg. Ich hatte nur noch 200 € auf meinem Konto und keinen Job. Ich habe geweint und gebetet: „Jesus, ich habe alles in meiner Macht versucht und ich kann nicht mehr, guck mal, was du machen möchtest, ich kann nicht mehr!“ In dem gleichen Moment, als ich dies gesprochen habe, rief mich ein Freund an und sagte „Ich habe Arbeit für dich, am Montag kannst du anfangen!“ Halleluja, ich war sehr glücklich und sehr dankbar! Das war die zweite starke Berührung. Aber genau wie die erste Berührung, nach einer bestimmten Zeit ist alles wieder blass geworden.

 

Ich finde es ist schwieriger in Deutschland Christ zu sein als im Libanon. Im Libanon ist alles schwierig und ohne Hilfe schaffst du es nicht. Es ist grundlegend anderes in Deutschland. Hier ist das Motto „Du schaffst es ohne Hilfe, wenn du hart arbeitest“. Dieser Gedanke ist in mich gedrungen und je besser es mir ging, umso mehr habe ich mich von Gott entfernt. Ich habe dann mein weiteres Studium und sogar meine Promotion abgeschlossen. Ich hatte einen sehr gut bezahlten Job, eine super Freundin! Alles war toll nach den gesellschaftlichen Maßstäben. Ich kam einmal zurück von der Arbeit und habe einen Zwischenstopp im Kölner Dom gemacht. Ich habe ohne einen Grund eine volle Stunde stark geweint! Dann habe ich mein Gesicht abgetrocknet und weiter gemacht wie vorher. Das war ein Warnschuss für mich, irgendwas war nicht in Ordnung, aber was? Ich habe mich danach getrennt von meiner Freundin und alles ich noch schlimmer geworden. Ich habe versucht meine Bedürfnisse mit materiellen Dingen oder anderen Frauen zu stillen, aber nichts hat geholfen.

 

Zum Glück hatte ich eine sehr gute Freundin aus dem Libanon, die seit ein paar Jahren Nonne ist. Sie hat mir geraten, eine Kloster-Auszeit in der Stille zu nehmen. Was, eine Woche nicht reden und nur beten? Das klingt komisch! Aber zum Glück war mein Leiden und das Vertrauen zu der Freundin so groß, dass ich zugesagt habe. Die Woche im Kloster war die schlimmste und beste Woche in meinem ganzen Leben und sie hat mein Leben für immer verändert. Am zweiten Tag hat Gott direkt mit mir gesprochen. Ich war in Stille, und las in der Bibel. Plötzlich wusste ich ganz genau, dass Gott zu mir persönlich genau das sagte, was ich gelesen hatte: „Du sollst ein Segen sein!“ Ich kann es nicht erklären, aber das war so. Plötzlich war Gott lebendig, er hat mich direkt berührt und nicht durch Menschen. Die nächsten Tage waren die Schwierigsten in meinem Leben. Gott hat mir meine Sünden gezeigt und alles was ich falsch gemacht habe. Er wollte, dass ich alles Falsche ablege und ihn um Verzeihung bitte. Das war relativ leicht im Vergleich zu dem, was danach kam. Dann durfte ich entscheiden, ob ich weiter für mich leben will oder ihm die Oberhand über mein Leben gebe. Das bedeutet im Klartext: „Nicht mein Wille geschehe, sondern sein Wille!“ 

Ich hatte so viel Angst, dass ich diese Entscheidung nicht treffen konnte. Ich wollte mich entscheiden, konnte es aber nicht. Ich habe sogar versucht, es schriftlich zu formulieren. Meine Hand hat so sehr gezittert und mich im Stich gelassen. Dann habe ich zu Gott gesagt, „Herr ich möchte dir mein Leben geben, aber ich schaffe es nicht und es soll so ein schöner Moment sein. Ich möchte nicht in Angst dir meinem Leben anvertrauen, sondern in Glück und Freude. Gott hat mein Gebet gehört und am nächsten Tag hat er mich wieder übernatürlich berührt und ich habe mit übernatürlicher Freude ihm mein Leben anvertraut.

Danach ist alles anderes geworden! Gott ist für mich lebendig geworden, ich konnte ihn spüren, mit ihm reden! Meine Gebete sind intensiver geworden und ich habe nicht nur gebetet, wenn ich was gebrauch habe. Direkt nach dem Klosteraufenthalt habe ich meine Frau kennengelernt. Sie kam so schnell ganz nah zu meinem Herzen, davor war nie eine Frau so nah gekommen. Aber dann hatte ich so viel Angst die Entscheidung für eine Ehe zu treffen. Die Kindheitsverletzungen sind hochgekommen und ich wollte nur weglaufen. Aber Gott war da, er hat mir geholfen und mir sogar ein Zeichen gegeben, dass dies die Frau für mich ist. Er hat meine Angst weggenommen und ohne seine Hilfe wäre ich jetzt nicht verheiratet und nicht der Vater von zwei wunderbaren Mädchen. 

Ich könnte noch viele Beispiele geben, wie Gott mir konkret geholfen hat, aber ich will Folgendes sagen: „Meine Probleme sind nicht weniger geworden, als ich mein Leben Jesus anvertrauet habe, aber bei jedem Problem habe ich seine Hand gespürt und ich wusste, dass alles gut wird“. Ich bin kein Supermensch oder Superchrist geworden. Ich habe nur einen Supermenschen an meiner Seite, der mir mit viel Sanftmut hilft, ein besserer Mensch zu werden, ein Mensch nach seinem Bild. Plötzlich sind Sachen, die früher wichtig waren, nicht mehr wichtig. Langsam sind meine Gedanken anders geworden, Sachen die normal in der Gesellschaft sind, sind für mich falsch geworden. Ich habe mehr Ruhe in mir und vor allem mehr Liebe. Ich weiß ganz genau, dass solange ich auf IHN höre alles was in meinem Leben passiert für mein Bestes ist. Was wird passieren? Ich weiß es nicht! Aber ER weiß es und bei IHM ist es nie langweilig! Es ist ganz einfach ein Abendteuer! Ich bin gespannt, was morgen kommt!

Euer Mikhael